Kulturlotse

„Freiwillige vor!“ – der nachtspeicher23 e.V. wird 15!

Veröffentlicht am 13. Mai 2023 von Kulturlotsin Sandra

Wer am ersten Freitagabend des Monats in der Lindenstraße unterwegs gewesen ist, der wird sich möglicherweise über den immensen Andrang und die ausgelassene Stimmung in und vor dem Haus 23 gewundert haben. Die kleine Offspace-Galerie mitten in der Stadt platzte nämlich aus allen Nähten; so viele Engagierte, Kunstinteressierte, Gratulanten und Neugierige waren zur Vernissage der Jubiläumsausstellung „Freiwillige vor! – 15 Jahre nachtspeicher23 e.V.“ gekommen.


Der Verein, der sich ganz der zeitgenössischen Kunst verschrieben hat, nimmt in dieser ganz besonderen Schau jene Menschen in den Fokus, die sonst nur hinter der Kulisse der Kunst mitwirken: die ehrenamtlichen Helfer. Bis Ende Mai läuft die Ausstellung mit rund 26 Werken, die von klassischen Aquarellen über Fotografien bis hin zu Licht- und Wandinstallationen reichen.


Dass gerade die Personen, die sich in den vergangenen 15 Jahren freiwillig und unentgeltlich für die kreative Szene eingesetzt haben, nun auf diese Weise geehrt werden, ist für Lara Bader längst überfällig. Als Teil der Galerieleitung sprach sie all jenen, die bis zu diesem Tag „von der Liebe zur Kunst angetrieben wurden“, in einer emotionalen Rede ihren Dank aus. Mehr als 200 Ausstellungen konnten dank des Engagements bisher realisiert werden – eine beachtliche Zahl, wenn man an die Hürden denkt, die der Verein täglich bei seiner Arbeit zu nehmen hat.

 

Der Kulturlotse wollte mehr darüber erfahren und hat bei Lara nachgefragt:

 

Liebe Lara, schön, dass du dir die Zeit zwischen dem Trubel nimmst und mit uns sprichst! Wie lange bist du eigentlich schon beim Verein nachtspeicher23 dabei?

 

Ich bin seit 2018 mit dabei, fast auf den Tag genau seit fünf Jahren.

 

Und wie bist du dazu gekommen, dich hier im Rahmen der Offspace-Galerie zu engagieren?

 

Lacht. Das war reiner Zufall! Ich habe hier in Hamburg Kunstgeschichte studiert und war eines Abends auf der WG-Party einer Kommilitonin. Irgendwann nachts stand ich mit einer anderen Bekannten aus der Uni zusammen und habe ihr beim Schnapstrinken erzählt, wie sehr mir die Praxis im Kunstbetrieb fehle. Da erzählte sie mir von diesem besonderen Raum und dem Konzept dahinter. Ich war total neugierig und bin eine Woche später zu der Eröffnung einer neuen Ausstellung gegangen – die Atmosphäre dort hat mir so gut gefallen, dass ich dachte: Da mache ich auch mit! Und schon einen Monat später war ich bei meiner ersten Vereinssitzung dabei.

 

Aus einer „Schnapsidee“ ist also ein langjähriges Engagement für die zeitgenössische Kunst geworden, super! Heute feiert der nachtspeicher23 e.V. sein fünfzehnjähriges Jubiläum. Gibt es etwas, das du dir für die nächsten 15 Jahre wünschen würdest?

 

Ja. Ich würde mir wünschen, dass es immer begeisterte und kreative Menschen gibt, die diesen Ort zu schätzen wissen und darin Ideen verwirklichen wollen. Das können durchaus neue Ideen sein, denn es geht nicht darum, an demselben Konzept stur festzuhalten; stattdessen soll sich der Raum auch weiter entwickeln dürfen. Die Hauptsache ist, dass der Ort als solcher für und mit der Kunst existiert, wo Entscheidungen demokratisch getroffen werden und wo versucht wird, stets über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Dafür braucht es allerdings nicht nur engagierte und motivierte Leute, sondern auch die Förderung vonseiten der Stadt. Im Moment haben wir hohe bürokratische Hürden zu überwinden und es wäre schön, wenn diese in Zukunft leichter zu bewältigen wären, damit wir unsere Energie mehr in die Ausstellungen selbst stecken könnten.

 

Ich verstehe. Gibt es denn etwas, das euch gerade besonders zu schaffen macht?

 

Die Auseinandersetzung mit der Bürokratie ist die eine Seite. Auf der anderen stehen wir im Moment vor der Herausforderung, dass die zwei Vorsitzenden des Vereins, mich eingeschlossen, ihr Amt im Herbst abgeben werden. Falls sich bis dahin kein Ersatz findet, wird der Raum und damit auch das Projekt am Ende des Jahres aufgelöst, was wir alle sehr bedauern würden. Der nachtspeicher23 steht und fällt mit seinen freiwilligen Unterstützer*innen und wir hoffen daher sehr, dass sich bis dahin eine neue Generation an Kunstinteressierten zusammenfindet, die dieses tolle Projekt weiterführt.   

 

Apropos freiwillige Unterstützer*innen: Das Besondere an der aktuellen Ausstellung ist ja, dass es eine Ausstellung über professionelle Künstler*innen ist, die sich zugleich als fleißige Helfer*innen bis dato in der Galerie eingebracht haben. Was braucht es denn, um bei euch mitzumachen? 

 

In der Tat handelt es sich bei den meisten Engagierten um Personen, die selbst Künstler*innen oder Kunstwissenschaftler*innen sind. Das ist aber keine Voraussetzung, um hier mitzumachen. Alle, die Lust haben, einen Blick hinter die Kulissen der Kunstszene zu werfen und die in eine kreative Welt abtauchen wollen, wo Ausstellungen geplant und realisiert werden, sind herzlich willkommen! Es gibt viele unterschiedliche Bereiche, in denen es sogar nützlich ist, aus anderen Tätigkeitsfeldern zu kommen. Das gilt für die Pressearbeit, für die Buchhaltung, aber auch für das Installieren der Kunstwerke: Da braucht es mindestens zwei Personen – eine mit einem guten Auge und die andere mit handwerklichem Geschick. Deshalb freuen wir uns immer sehr über neue Gesichter und neue Perspektiven.

 

Wir drücken euch ganz fest die Daumen, dass der nachtspeicher23 e.V. weiterhin als Vermittler zeitgenössischer Kunst agieren kann und danken dir für das nette Gespräch, Lara!

 

Noch lange sollten an diesem Abend die Lichter im nachtspeicher23 brennen, dem Kunstkleinod des Viertels, um gemeinsam zu feiern, zu lachen und in Erinnerungen zu schwelgen – und um für ein paar Stunden nicht über das Morgen grübeln zu müssen.

 

Auch der Kulturlotse sagt Prosit und wünscht der Galerie alles Gute für die Zukunft!


Dein Interesse an der Offspace-Galerie nachtspeicher23 e.V. ist geweckt und du überlegst, dich bei diesem großartigen Projekt mit einzubringen? Dann sei doch bei der Finissage der aktuellen Ausstellung dabei oder bei der nächsten Eröffnung und lerne das Team kennen! Außerdem gibt es die Möglichkeit, an einer Gesprächsrunde am 21. Mai um 16 Uhr teilzunehmen, wo gemeinsam mit Vertreter*innen der Hamburger Kunst- und Kulturszene über das Verhältnis von Kunst und Ehrenamt diskutiert wird.

 

Die Adresse lautet: Lindenstraße 23 / 20099 Hamburg