Hubertus Gaßner im Gespräch mit Silke Silkeborg
Wenn eine Malerin – wie Silke Silkeborg seit vielen Jahren – die Nacht zum ausschließlichen Thema ihrer Arbeit macht, berührt dies zentrale Fragen der Wahrnehmung, der Kunstgeschichte und unseres heutigen Umgangs mit Dunkelheit. In seinem Vortrag und Gespräch entfaltet Hubertus Gaßner die Nacht als einen Erfahrungs-, Denk- und Bildraum, der sich fundamental vom Tag unterscheidet: als Ort des Verschwindens, der Unsicherheit, aber auch der Erkenntnis.
Ausgehend von der kunsthistorischen Tradition der Nachtmalerei – von allegorischen Darstellungen bis zu modernen Nachtstücken – richtet Gaßner den Blick auf Silkeborgs Werk, das sich bewusst von narrativen, romantischen oder dramatischen Nachtszenen löst. Im Zentrum steht die Dunkelheit selbst: als Grenzbereich des Sichtbaren, als Herausforderung für das Sehen und als paradoxes Motiv einer Malerei, die das Unsichtbare sichtbar zu machen versucht.
Thematisiert werden Silkeborgs nächtliche Stadträume, ihre menschenleeren Landschaften, Spiegelungen von Licht auf schwarzem Wasser, aber auch ihre Auseinandersetzung mit künstlicher Beleuchtung, Lichtsmog und dem allmählichen Verschwinden der Nacht. Gaßner zeigt, wie sich in diesen Arbeiten Fragen von Fläche und Tiefe, Schein und Sein, Wahrnehmung und Imagination überlagern – und wie die Nacht in der Kunst zu einem Ort der Selbstreflexion wird.
Das Gespräch eröffnet einen vielschichtigen Zugang zu Silkeborgs Nachtmalerei und lädt dazu ein, die Dunkelheit nicht als bloßes Gegenbild des Tages zu begreifen, sondern als eigenständigen Raum ästhetischer Erfahrung.
Prof. Dr. Hubertus Gaßner ist Kunsthistoriker, Autor und Kurator. Er war unter anderem am documenta archiv, am Haus der Kunst und am Museum Folkwang tätig und leitete von 2006 bis 2016 die Hamburger Kunsthalle. In dieser Zeit wie auch darüber hinaus realisierte er zahlreiche überregional bedeutende Ausstellungen, entwickelte neue Veranstaltungsformate und verantwortet bis heute eine Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen sowie ausstellungsbegleitender Kataloge.
Die Veranstaltung ist kostenfrei. Um Spenden wird gebeten.
Veranstaltungszeit: 18:00 - 20:00 Uhr
Quelle:
www.parabel.hamburg